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Das Äußere des Instrumentes
| Die "Bausubstanz" bzw. der Zustand
des Instrumentes | Das Instrument als Wertgegenstand
oder Geldanlage | Die Klangfrage
Wie vermeidet man einen Fehlkauf? Oder: Muss
es unbedingt eine Stradivari sein?
a) Das Äußere des Instrumentes
Oft wird man im Unterbewusstsein sehr stark von diesem
Punkt beeinflusst. Somit ist es durchaus von Bedeutung,
sich über diesen Aspekt bewusst zu werden. Am eindringlichsten
registriert das Unterbewusstsein, ob ein Instrument schön alt aussieht: Die Ränder sind abgestoßen, reparierte Risse
sind zu sehen, in den Ecken hängt dicker Staub und vor
allem der Lack zeigt verkratzte und abgeriebene Stellen.
Gerade letzteres ruft oft die Ehrfurcht vor diesen schönen
alten Sachen hervor. Das wissen alle Geigenbauer und so
entstand eine lange Tradition des "auf Alt machen". Da
werden halbe Geigen wieder ablackiert, künstliche Kratzer
mit Dreck gefüllt und gar das Holz mit Feile und Sandpapier
abgenutzt. Bei einiger genauer Betrachtung ist dies oft
zu entlarven aber mitunter ist dies auch so geschickt
gemacht, dass es selbst für den Experten eines zweiten
Hinsehens bedarf.
Andere Instrumente sehen aber doch neu aus. Sie werden
möglichst mit homogenem Farblack versehen und alle Konturen
so präzise wie möglich gestaltet. Die Frage ist also oft,
neben Vorlieben wie dunkler, heller, roter oder sonst
wie gearteter Farbe, ob mein neues Instrument neu aussehen
darf und man ihm eine natürliche Alterung d. h. Abnutzung
zugesteht oder ob mein Instrument alt sein muss, nur damit
auch der äußere Charme stimmt. Wer sich darüber hinaus
viel mit Formgebung und handwerklicher Präzision beschäftigt,
mag noch beachten, wie sauber eine Schnecke gestochen
ist und wie sie in den Proportionen zu Rest des Instrumentes
passt oder meinetwegen wie sauber die Einlagen in Boden und Decke eingelegt sind. Meiner Erfahrung
nach sind das aber Dinge, mit denen sich nur die Geigenbauer
untereinander beschäftigen.
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b) Die "Bausubstanz" bzw. der Zustand
des Instrumentes
Dazu benötigen Sie die fachkundige Begutachtung durch
einen Geigenbauer. Nur er kann Ihnen sagen, welche Schäden
das Instrument evtl. schon hatte, und ob diese so repariert
sind, dass keine weiteren Folgen zu erwarten sind. Es
gibt nämlich Schäden, die selbst wenn sie gut repariert
sind, den Wert des Instrumentes drastisch reduzieren,
und wiederum andere, die weder auf den Klang noch auf
den Wert des Instrumentes Einfluss haben.
Grundsätzlich gilt aber: je mehr Reparaturen ein Instrument
erfahren hat, umso größer wird das Risiko, dass sich beispielsweise
eine Leimung löst, es im Innern des Instrumentes zu rasseln
anfängt etc. Man könnte es mit einem Auto vergleichen:
mit zunehmender Lebensdauer erhöht sich die Reparaturanfälligkeit,
andererseits aber vielleicht auch der Charme und der Charakter.
Des weiteren kann Ihnen ein Geigenbauer sagen, ob das
Instrument so eingestellt ist, dass das Optimum an Klanglichkeit
zu erwarten ist. Hinzu kommt die Frage, ob das Instrument
auch spieltechnisch optimal eingestellt ist. Lassen sich
zum Beispiel Doppelgriffe einwandfrei spielen, muss man
die Saiten evtl. viel zu stark niederdrücken, kann man
den Hals für z. B. zierlichere Hände schmaler machen
etc.
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c) Das Instrument als Wertgegenstand
oder Geldanlage
Ab einem bestimmten Wert machen Sie mit dem Kauf eines
Instrumentes kein Geld "kaputt". Der Wert bleibt im Rahmen
der allgemeinen Kostenschwankungen konstant. Voraussetzung
hierfür ist natürlich, dass das Instrument keinen Schaden
erleidet. Sie müssen sich jedoch bewusst machen: Bei Instrumenten
der unteren Preisklassen kann das nicht gelten. Bedenken
Sie, wenn ein Instrument, sagen wir, um die 1000 EUR kostet
und Sie für eine kleinere Überholung schnell einmal 500
EUR bezahlen, handelt es sich dabei fast schon um ein Wegwerfprodukt.
Genauso verhält es sich bei einem Bogen für z. B. 180 EUR,
wenn man bedenkt, dass ein neuer Haarbezug im Schnitt
70 EUR kostet. Hinzu kommt bei den kostengünstigen Instrumenten
oft noch, dass sie von vornherein einer zusätzlichen Einrichtung
bedürfen, um sie überhaupt halbwegs gut spielbar zu machen.
Auch sind an preiswert gefertigten Instrumenten Reparaturen
oft weniger gut zu bewerkstelligen als an qualitativ
hochwertigen, weil handgefertigten Instrumenten, so dass
viele Geigenbauer von der Reparatur abraten, da oftmals
der Aufwand den Gesamtwert bei weitem übersteigen würde.
Natürlich können Instrumente im Einzelfall auch kulturhistorischen
Wert haben und somit astronomische Wertsummen erreichen.
Diese Instrumente können sich tatsächlich als Geldanlage
mit Wertsteigerungspotential eignen. Dabei ist es natürlich
besonders wichtig, dass das Instrument auch dem entspricht,
für das es ausgegeben wird. Hierzu benötigen Sie eine
Expertise, d. h. ein Echtheitszertifikat, und zwar muss
dieses unbedingt neuesten Datums und von einem international
anerkannten Experten ausgestellt sein.
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d) Die Klangfrage
Dies ist wohl der schwierigste, weil persönlichste Aspekt
und somit weitgehend ihrem eigenen Urteil berlassen.
Für diesen Punkt ist also Ihre ganze Erfahrung und Entscheidungsfreudigkeit
gefragt. Wir haben alle unsere Hörgewohnheiten und wie
das Wort ganz gut beschreibt, heißt das, dass wir uns
alle an etwas gewöhnt haben. Das ist aber gerade der größte
Hinderungsgrund für eine einigermaßen objektive Beurteilung.
Das heißt, sollten sie irgendwo die Möglichkeit
haben, ein anderes als ihr eigenes Instrument auszuprobieren um damit Ihre Hörerfahrung zu erweitern:
Tun Sie es!
Lassen Sie sich von Geigenbauern und Händlern Instrumente
zur "Ansicht" mitgeben, um sie Zuhause in gewohnter Umgebung
und in Ruhe ausprobieren zu können. Fragen Sie Ihre Musikerfreunde,
ob sie einmal ihre Instrumente tauschen können, und sie
werden bald selbst beurteilen können, ob Ihnen ein Instrument
alle Ihnen zu Verfügung stehenden Möglichkeiten bieten
kann oder nicht. Aber nicht nur wie ein Instrument alleine
klingt, ist von Bedeutung. Je nachdem, was Sie damit vorhaben, sollten Sie es auch ausprobieren: im Quartett, im Orchester oder
mit anderen Instrumenten wie Klavier etc. Spielen Sie
nur für sich, dann brauchen Sie nur zu beurteilen, wie
das Instrument an Ihrem Ohr klingt. Gerade bei Streichinstrumenten
ist der Unterschied zwischen vom Publikum Gehörtem und
vom Spieler Gehörtem oft enorm groß. Wollen Sie also auch
vor Publikum spielen oder gar als Solist auftreten, ist
besonders auf den Außenklang zu achten.
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Im Folgenden möchte ich Ihnen 6 Parameter an die Hand
geben, um sich ein Schema zu Beurteilung eines Instrumentes
machen zu können:
Ausgeglichenheit:
Klingen alle 4 Saiten gleichlaut und im gleichen Charakter
oder fällt eine Saite heraus und klingt schrill oder
gequetscht oder klingt sie oben wie unten gleich frei?
Ansprache:
Kommt der Ton gleich und ohne viel Mühe oder muss ich
fürchterlich arbeiten, um einen Ton zu erzeugen? Pfeifen
die Saiten, anstatt einen runden Ton zu geben?
Volumen:
Kann ich mit meinem Instrument überhaupt laut spielen
oder bleibt der ganze Klang im Instrument stecken?
Tragfähigkeit:
Klingt mein Instrument auch noch für einen Zuhörer in
einiger Entfernung? Es gibt Instrumente die zwar wunderschön klingen, aber ab einer gewissen Distanz nicht mehr "zu
hören" sind bzw. sich gegenüber anderen Instrumenten nicht
mehr durchsetzen können.
Mischbarkeit:
Wie verhält sich mein Instrument im Zusammenspiel mit
anderen Instrumenten? Mischt es sich, übertönt es die
anderen oder wird es "untergebuttert"?
Modulationsfähigkeit:
Lässt sich auf meinem Instrument der Ton gestalten?
Kann ich leise und laut spielen? Macht das Instrument
das was ich will oder klingt es eben nur so wie es klingt?
Es ist noch hinzuzufügen, dass der Streichbogen
einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Klang hat.
Beachten sie deshalb, dass sie möglichst immer mit
dem selben Bogen die verschiedenen Instrumente ausprobieren
um richtig vergleichen zu können. Oft kann sogar
ein Instrument durch die Verwendung eines besseren Bogens
stark aufgewertet werden.
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